Kontoauszug zu verschenken

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie gehen zu Ihrer Bank, holen sich einen Kontoauszug, machen ein paar tausend Kopien davon und die verteilen Sie dann wahllos auf der Straße. Blödsinn, sagen Sie? Überhaupt nicht, das Ganze hat sogar einen Namen: “Blippy”, benannt nach dem englischen Wort “Blip”, der das Piepen an der Kasse beschreibt, wenn mit einer Kreditkarte bezahlt wird.
“Blippy” ist eine Erfindung eines jungen US-Amerikaners namens Philip Kaplan. Der verteilt nicht wirklich Kontoauszüge auf der Straße, seine Idee geht aber in diese Richtung - und eigentlich sogar noch einen Schritt weiter. Kaplan möchte die Kontoauszüge nämlich weltweit verteilen.
“Die Idee ist, dass die meisten Amerikaner zwei oder drei Kreditkarten haben”, sagte er der New York Times. “Eine davon wird bei Blippy als ‘Soziale Karte’ registriert.” Jeder Einkauf mit dieser Karte wird daraufhin auf Blippy.com veröffentlicht. “Gehe ich zu Starbucks und bezahle mit der Karte, dann wissen alle meine Freunde sofort, dass ich bei Starbucks bin und können ebenfalls dorthin kommen.”
Ein soziales Netzwerk für die Kreditkarte? So will es zumindest Kaplan verstanden wissen. “Passive Sharing” nennt er das Ganze was übersetzt so viel heißt wie “passives Mitteilen”. Einkäufe für über fünf Millionen Dollar seien schon auf Blippy.com eingelaufen, erzählt Kaplan stolz.
Dabei befindet sich Blippy zur Zeit noch in einer Testphase. Mitmachen kann nur, wer von einem bereits teilnehmenden Mitglied eingeladen wird. Danach reicht es seine Kreditkartennummer einzugeben. Sämtliche Einkäufe laufen anschließend vollautomatisch ein - sicht- und kommentierbar für alle anderen Teilnehmer.
Deutlich nebulöser wird es allerdings, wenn man nach dem Nutzen des Ganzen fragt - und wie die Blippy-Macher das ganze finanzieren. Der Süddeutschen Zeitung, die das Thema kürzlich aufgriff, bekam sie keine Auskunft, wie sich das neuartige und vermeintlich soziale Netzwerk finanziert oder was weiter mit den gesammelten Daten geschehen soll.
Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht nötig und das Rätsel löst sich von selbst. Es könnte ja sein, dass demnächst bei Blippy Ausgaben wie “Böser Betrüger hat mit seiner Kreditkarte 50 Euro für 100 Blippy Datensätze bezahlt.” auftauchen.