Drachengold gegen Privatsphäre

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Umsonst ist nur der Tod - und selbst der kostet das Leben. Das behauptet jedenfalls ein altes Sprichwort. Pro Sieben behauptet etwas anderes. “Kostenlos spielen” wirbt der private Fernsehsender großspurig und präsentiert bildschirmfüllende 3D-Grafiken. “Drift City”, “Dark Orbit” und viele weitere Spiele würden den Spieler auf der eigens eingerichteten Webseite sevengames.de erwarten. Das ist nicht mal gelogen - die ganze Wahrheit ist es aber auch nicht.

Der Markt der kostenlosen Online-Spiele wächst rasant. Aus purer Freundlichkeit bieten Pro Sieben, Bigpoint und Co den Spielspaß im Netz allerdings nicht an. Wer beim Daddeln im Internet auf Dauer erfolgreich sein möchte, kommt um den Kauf von kostenpflichtigen Extras nämlich oft nicht herum.

Bezahlt werden Tuning-Sets und Co mit “Coins”, “Drachengold” und anderen Phantasiewährungen, die im wirklichen Leben allerdings schnell echte Löcher in die Geldbörse reißen können. 50 bis 200 Euro benötigen erfahrene Spieler pro Monat, um bei “Metin 2″ auf Dauer Erfolg zu haben, einem der derzeit beliebtesten kostenlosen Online-Spiele von Gameforge 4D. Das berichtet jedenfalls die Süddeutsche Zeitung und beruft sich auf “erfahrene Spieler”.

Wer beim Rennspiel “Fast & Furious” auf der Gaming-Plattform Bigpoint im Gefängnis landet, hat die Wahl: Stundenlang Abwarten - oder sich für echtes Geld freikaufen. Auch bei Drift City müssen virtuelle Rennfahrer irgendwann in echt in die Tasche greifen: Während der fürs Spielen notwendige Spezialsprit “Mittron” spielerisch verdient wird, kosten viele Tuning-Teile sogenannte “S-Punkte” - und die gibt es nur gegen Bares.

Die meisten Anbieter der vermeintlich kostenlosen Spiele verweisen zwar in ihren AGBs darauf, dass sich nur Nutzer anmelden dürfen, die entweder selbst voll geschäftsfähig sind oder “mit Zustimmung Ihrer gesetzlichen Vertretungsberechtigten handeln” (Punkt 4.3 der Seven Games Nutzungsbedingungen), in der Praxis dürfte dieser Passus aber kaum ins Gewicht fallen. Zumal bei vielen Spieleportalen nicht nur mit Kreditkarte, sondern auch per Telefonrechnung bezahlt werden kann. Der Spieler muss nur eine kostenpflichtige Nummer anrufen.

Bei Gameforge 4D, die das Online-Spiele “Metin 2″ in Europa anbietet, ist man sogar schon einen Schritt weiter. Wer kein Geld (mehr) hat, der verkauft einfach ein Stück seiner Privatsphäre. Wer sich beispielsweise mit Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Postanschrift und Email-Adresse bei dem Umfrage-Portal “Meinungsstudie.de” anmeldet, bekommt dafür elf Drachenmünzen gutgeschrieben. Im wahren Leben entspricht das 88 Cent. Für etwa das Dreifache gibt im Spiel es immerhin schon einen “Geschwindigkeitstrank”, mit dem die eigene Spiefigur 30 Minuten lang schneller laufen kann. Wenn das kein gutes Geschäft ist!

Autor: Felix Neubüser
Datum: Montag, 21. Dezember 2009 10:02
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Ein Kommentar

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