Kontoauszug zu verschenken

Montag, 25. Januar 2010 22:06

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Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie gehen zu Ihrer Bank, holen sich einen Kontoauszug, machen ein paar tausend Kopien davon und die verteilen Sie dann wahllos auf der Straße. Blödsinn, sagen Sie? Überhaupt nicht, das Ganze hat sogar einen Namen: “Blippy”, benannt nach dem englischen Wort “Blip”, der das Piepen an der Kasse beschreibt, wenn mit einer Kreditkarte bezahlt wird.

“Blippy” ist eine Erfindung eines jungen US-Amerikaners namens Philip Kaplan. Der verteilt nicht wirklich Kontoauszüge auf der Straße, seine Idee geht aber in diese Richtung - und eigentlich sogar noch einen Schritt weiter. Kaplan möchte die Kontoauszüge nämlich weltweit verteilen.

“Die Idee ist, dass die meisten Amerikaner zwei oder drei Kreditkarten haben”, sagte er der New York Times. “Eine davon wird bei Blippy als ‘Soziale Karte’ registriert.” Jeder Einkauf mit dieser Karte wird daraufhin auf Blippy.com veröffentlicht. “Gehe ich zu Starbucks und bezahle mit der Karte, dann wissen alle meine Freunde sofort, dass ich bei Starbucks bin und können ebenfalls dorthin kommen.”

Ein soziales Netzwerk für die Kreditkarte? So will es zumindest Kaplan verstanden wissen. “Passive Sharing” nennt er das Ganze was übersetzt so viel heißt wie “passives Mitteilen”. Einkäufe für über fünf Millionen Dollar seien schon auf Blippy.com eingelaufen, erzählt Kaplan stolz.

Dabei befindet sich Blippy zur Zeit noch in einer Testphase. Mitmachen kann nur, wer von einem bereits teilnehmenden Mitglied eingeladen wird. Danach reicht es seine Kreditkartennummer einzugeben. Sämtliche Einkäufe laufen anschließend vollautomatisch ein - sicht- und kommentierbar für alle anderen Teilnehmer.

Deutlich nebulöser wird es allerdings, wenn man nach dem Nutzen des Ganzen fragt - und wie die Blippy-Macher das ganze finanzieren. Der Süddeutschen Zeitung, die das Thema kürzlich aufgriff, bekam sie keine Auskunft, wie sich das neuartige und vermeintlich soziale Netzwerk finanziert oder was weiter mit den gesammelten Daten geschehen soll.

Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht nötig und das Rätsel löst sich von selbst. Es könnte ja sein, dass demnächst bei Blippy Ausgaben wie “Böser Betrüger hat mit seiner Kreditkarte 50 Euro für 100 Blippy Datensätze bezahlt.” auftauchen.

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Drachengold gegen Privatsphäre

Montag, 21. Dezember 2009 10:02

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Umsonst ist nur der Tod - und selbst der kostet das Leben. Das behauptet jedenfalls ein altes Sprichwort. Pro Sieben behauptet etwas anderes. “Kostenlos spielen” wirbt der private Fernsehsender großspurig und präsentiert bildschirmfüllende 3D-Grafiken. “Drift City”, “Dark Orbit” und viele weitere Spiele würden den Spieler auf der eigens eingerichteten Webseite sevengames.de erwarten. Das ist nicht mal gelogen - die ganze Wahrheit ist es aber auch nicht.

Der Markt der kostenlosen Online-Spiele wächst rasant. Aus purer Freundlichkeit bieten Pro Sieben, Bigpoint und Co den Spielspaß im Netz allerdings nicht an. Wer beim Daddeln im Internet auf Dauer erfolgreich sein möchte, kommt um den Kauf von kostenpflichtigen Extras nämlich oft nicht herum.

Bezahlt werden Tuning-Sets und Co mit “Coins”, “Drachengold” und anderen Phantasiewährungen, die im wirklichen Leben allerdings schnell echte Löcher in die Geldbörse reißen können. 50 bis 200 Euro benötigen erfahrene Spieler pro Monat, um bei “Metin 2″ auf Dauer Erfolg zu haben, einem der derzeit beliebtesten kostenlosen Online-Spiele von Gameforge 4D. Das berichtet jedenfalls die Süddeutsche Zeitung und beruft sich auf “erfahrene Spieler”.

Wer beim Rennspiel “Fast & Furious” auf der Gaming-Plattform Bigpoint im Gefängnis landet, hat die Wahl: Stundenlang Abwarten - oder sich für echtes Geld freikaufen. Auch bei Drift City müssen virtuelle Rennfahrer irgendwann in echt in die Tasche greifen: Während der fürs Spielen notwendige Spezialsprit “Mittron” spielerisch verdient wird, kosten viele Tuning-Teile sogenannte “S-Punkte” - und die gibt es nur gegen Bares.

Die meisten Anbieter der vermeintlich kostenlosen Spiele verweisen zwar in ihren AGBs darauf, dass sich nur Nutzer anmelden dürfen, die entweder selbst voll geschäftsfähig sind oder “mit Zustimmung Ihrer gesetzlichen Vertretungsberechtigten handeln” (Punkt 4.3 der Seven Games Nutzungsbedingungen), in der Praxis dürfte dieser Passus aber kaum ins Gewicht fallen. Zumal bei vielen Spieleportalen nicht nur mit Kreditkarte, sondern auch per Telefonrechnung bezahlt werden kann. Der Spieler muss nur eine kostenpflichtige Nummer anrufen.

Bei Gameforge 4D, die das Online-Spiele “Metin 2″ in Europa anbietet, ist man sogar schon einen Schritt weiter. Wer kein Geld (mehr) hat, der verkauft einfach ein Stück seiner Privatsphäre. Wer sich beispielsweise mit Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Postanschrift und Email-Adresse bei dem Umfrage-Portal “Meinungsstudie.de” anmeldet, bekommt dafür elf Drachenmünzen gutgeschrieben. Im wahren Leben entspricht das 88 Cent. Für etwa das Dreifache gibt im Spiel es immerhin schon einen “Geschwindigkeitstrank”, mit dem die eigene Spiefigur 30 Minuten lang schneller laufen kann. Wenn das kein gutes Geschäft ist!

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Der Weltuntergang beginnt in England

Mittwoch, 11. November 2009 16:31

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Wer den Weltuntergang sucht, der sollte ins Kino gehen. Hier läuft morgen Emmerichs neue Zerstörungsorgie “2012″ an. Er kann aber auch nach England fahren, genauer gesagt: nach Oxford. An der dortigen Universität beschäftigen sich die Wissenschaftler hauptberuflich mit dem Ende der Welt - und was man dagegen tun kann. Hier sitzt nämlich das Institut “Zukunft der Menschheit” (http://www.fhi.ox.ac.uk/), eine weltweit einzigartige Forschungseinrichtung.

Seit dem Jahr 2005 gehen hier Wissenschaftler der verschiedensten Fachrichtungen im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegenden Fragen nach. Was passiert, wenn ein großer Meteorit die Erde trifft? Wie wahrscheinlich ist es, dass wir uns selbst durch einen Atomkrieg ausrotten? Oder geht die größte Gefahr für die Menscheit möglicherweise von ansteckenden Krankheiten aus - etwa der Schweinegrippe.

Es gibt sogar eine Art Hitliste der möglichen Weltuntergänge. Bei einer Tagung der Katastrophenforscher vor einem Jahr versuchten die die Forscher Andreas Sandberg und Nick Bostrom per Umfrage unter den Tagungsteilnehmern die wahrscheinlichsten Katastrophen-Szenarien bis zum Jahr 2100 zu ermitteln - und mit welcher Opferzahl dabei zu rechnen sei. Mögliche Auswahlmöglichkeiten: Mindestens eine Millionen Tote, mindestens eine Milliarde Tote oder vollständiges Aussterben der Menschheit. Als Katastrophen standen ganz banal “Kriege” oder “natürliche Pandemie”  zur Wahl, aber auch mögliche Katastrophen wie “von Menschen künstlich hergestellte Pandemie” oder “getötet durch superschlaue künstliche Intelligenz”.

Die gute Nachricht: Alle Ergebnisse zusammen genommen sehen die Wissenschaftler das Risiko für eine totale Ausrottung gerade mal bei 19 Prozent. Nimmt man die letzten drei Emmerich-Filme  zusammen, ist das doch ein fast lächerlich geringer Wert. Wahrscheinlichste Ursache für das Aussterben: Entweder eine superschlaue Computerintelligenz , die terminatorartig die Menscheit ausrottet (5 Prozent) oder Tod durch neuartige Nano-Waffen (ebenfalls 5 Prozent). Die insgesamt größte Gefahr sehen die Wissenschaftler dagegen in Kriegen: Die Chance für eine totale Ausrottung bezifferten sie immerhin auf 4 Prozent; dass mehr als eine Millarde Menschen bis 2100 durch Kriege sterben sogar auf 10 Prozent. (Alle Ergebnisse gibt es hier).

Ingesamt also eher unschöne Aussichten. Da lohnt vielleicht ein Blick auf diese Webseite: Chronik der (verpassten) Weltuntergänge - und derer, die es noch zu verpassen gilt. Dumm für Emmerich: Der nächste Weltuntergang nach 2012 droht demnach nämlich erst im Jahr 2076. Mit seinem nächsten Film kann er sich also Zeit lassen.

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Datenklau auf Steuerkosten

Donnerstag, 29. Oktober 2009 11:43

Update 11. November 2009:
Jobbörse im großen Stil zur Datensammlung missbraucht.

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Datenhändlern drohen schlimme Zeiten, denn dank der Bundesagentur für Arbeit gibt es personenbezogene Daten längst auf Kosten des Steuerzahlers. Alles was man dafür tun muss ist, sich online als Arbeitgeber zu registrieren. Ob das wirklich stimmt, wird zunächst nicht kontrolliert. Es reicht, einen Unternehmensnamen, eine Adresse und einen Ansprechpartner einzutragen, schon darf man in Deutschlands größtem Online-Stellenportal nach Daten fischen und sich Lebensläufe, Zeugnisse und Fotos von Arbeitssuchenden zuschicken lassen.

Wie einfach das ist, hat jetzt eine arbeitslose Sozialpädagogin bewiesen, die binnen nur weniger Tage 13 Bewerbungsmappen zugesandt bekam. Anschließend leitete sie den Fall an die Süddeutsche Zeitung weiter, die in ihrer heutigen Ausgabe darüber berichtet.

Für die Arbeitsagentur kein Grund, der seltsamen Praxis abzuschwören. Die Süddeutsche Zeitung verweist auf eine Stellungnahme, in der es heißt: ”Im Hinblick auf die Engpässe am Arbeitsmarkt wollte die BA eine Erhöhung der Einstiegsbarrieren für die Jobbörse vermeiden.” Konkret bedeutet das: Wenn jemand wirklich einen Job zu vergeben hat, soll er nicht durch vermeintlich zu hohe Hürden abgeschreckt werden, diese Stelle bei der Arbeitsagentur online auszuschreiben.  Die Arbeitsagentur verweist außerdem darauf, dass sie die eingehenden Angebote täglich “stichprobenartig” prüfen würde.

Interessant ist, dass die Süddeutsche Zeitung in ihrem Artikel vor allem auf die Arbeitsagentur eingeht. Das ist zwar die größte, aber nicht die einzige Online-Jobbörse - auch bei vielen privaten Portalen reicht eine gültige Email-Adresse, um sich als Arbeitgeber zu registrieren. 

Wie einfach es auch bei vielen privat betriebenen Jobbörsen ist, an personenbezogene Daten zu kommen, bewies kürzlich ein 38-jähriger Berliner. Nach einem Bericht des Berliner Kurier soll er als Mitglied einer international organisierten Bande mehrere Millionen Euro erbeutet haben, indem er bei Jobbörsen Stellen anbot und die vermeintlichen neuen Mitarbeiter zum Kauf einer Paysafecard überredete, einer Art Prepaid-Karte für Interneteinkäufe.

Update 11. November 2009: Jobbörse im großen Stil zur Datensammlung missbraucht.

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Barack Obama als Wiederholung

Dienstag, 6. Oktober 2009 10:40

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Wie viel Obama ist eigentlich zu viel Obama? Diese Frage stellte kürzlich die New York Times, eine der renomiertesten Tageszeitungen der Welt. An nur einem Tag hatte der US-Präsident fünf verschiedenen Fernsehsendern Interviews gegeben - das ist Rekord.

Und wer danach immer noch nicht genug Obama hatte, der konnte sich anschließend durch die mehr als 800 Bilder klicken, die der Präsident mittlerweile auf der Fotoplattform Flickr veröffentlicht hat. Oder er konnte sich durch die Präsidenten-Profile in den zahlreichen sozialen Netzwerken klicken, in denen Obama präsent ist. Dass Barack Obama selbstverständlich auch twittert, muss an dieser Stelle wohl  nicht extra erwähnt werden.

Vergleicht man Barack Obama mit deutschen Politikern, scheinen diese allesamt hinter dem Mond zu leben. Allerdings macht der US-Präsident sich mit seiner medialen Omnipräsenz nicht nur Freunde. Schon fünf Mal musste das US-Fernsehen bisher sein Abendprogramm umstellen, weil Obama zur besten Sendezeit eine TV-Pressekonferenz einberaumt hatte. Auch das ist Rekord. Die mit diesen medialen Inszenierungen einhergehenden Traumergebnisse bei den Einschaltquoten trösten die Fernsehmacher aber nur bedingt über die Milliardenverluste bei den Werbeeinnahmen hinweg, die der Verzicht auf das normale Primetime-Programm mit sich bringt.

Nun sind fehlende Werbeeinnahmen vielleicht nicht wirklich ein Argument gegen einen vermeintlich volksnahen Präsidenten, der versucht seine Bürger dort abzuholen, wo sie nun einmal stehen oder eben sitzen - vor dem Fernseher und vor dem Computer nämlich.

Trotzdem erinnert Obamas Strategie auffällig an einen Trick, den Talkshow-Moderatoren gerne anwenden, um auch in einer hitzigen Diskussion das Zepter in der Hand zu behalten: Sie über-reden ihre Talkgäste einfach. Ignoriert ein Talk-Gast die Moderationsversuche des Gastgebers, so spricht dieser einfach so lange weiter auf den renitenten Diskussionsteilnehmer ein, bis dieser schließlich von selbst verstummt oder Luft holen muss. Anders formuliert: Wer am längsten redet, gewinnt.

Auch Obama verfährt in gewisser Weise nach dieser Taktik. Wie ein Mantra wiederholt er seine Thesen einfach so lange, bis seinen Kritikern die Luft ausgeht. Bislang scheint dieser Plan aufzugehen. Ob er damit allerdings dauerhaft Erfolg haben wird, darf bezweifelt werden. Früher oder später wird nämlich selbst der hart gesottenste Obama-Fan umschalten, wenn der Präsident auf der Mattscheibe erscheint. Und zwar nicht etwa, weil er ihn nicht mehr mag, sondern schlicht, weil er die Ausstrahlung für eine Wiederholung hält.

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Bist Du ich?

Montag, 21. September 2009 17:58

11535727Bin ich eigentlich ich? So ganz sicher darf ich mir da wohl nicht sein, zumindest wenn ich im Internet unterwegs bin.

Erst kürzlich hat der Mikro-Nachrichtendienst “Twitter” auf Bitten des MDR den Benutzer Udo Reiter gelöscht. So heißt der Intendant des Senders. So hieß aber nicht die Person, die sich hinter dem gleichnamigen Twitter-Namen verbarg und fleißig Nachrichten schrieb wie “Mein Chefredakteur stottert ein bisschen, schlägt sich sonst aber wacker.” Der echte Reiter hingegen wusste von all dem zunächst nichts - er hat nämlich gar keinen Twitter-Account.

Nicknapping nennt sich diese Form des Identitätsdiebstahls, zusammengesetzt aus den englischen Worten “Nickname” (Spitzname) und Kidnapping (Entführung) - und längst werden nicht nur Prominente Opfer derartiger Aktionen. In Zeiten, wo Menschen freiwillig Steckbriefe von sich ins Netz stellen, keine Party ohne dazugehöriges Fotoalbum bei StudiVZ, Facebook und Co auskommt und Bloggen fast schon ein Volkssport geworden ist, verschwimmt die eigene Identität ohnehin zunehmend.

Klickt man sich in einem sozialen Netzwerk von Profil zu Profil fallen vor allem jüngere Nutzer mit Selbstdarstellungen auf, die so umfassend sind, dass sie hinreichend Material für gleich mehrere reale Personen bieten. In Fotoalben, die vornehmlich Namen tragen wie “me, myself and I” posieren 17-Jährige gleich in acht oder neun verschiedenen Outfits, von chic bis leger, frei nach dem Motto: Einer dieser vielen ersten Eindrücke wird schon den Geschmack des Betrachters treffen. Dazu kommen Selbstbeschreibungen, die sich lesen wie Rollenbeschreibungen aus Nachmittagssoups: Aalglatt - und irgendwie erfunden.  

Eigentlich kein Wunder. Reichte es früher, auf dem Schulhof oder auf dem Campus einen halbwegs sympathischen Eindruck zu machen, muss es heute direkt die eierlegende Wollmilchsau sein - im übertragenden Sinne natürlich. Das eigene Profil im Netz wird also gnadenlos aufgemotzt, während die Person dahinter zunehmend verblasst.

Es wundert nicht einmal mehr, wenn das Mauerblümchen plötzlich die frechsten Kommenare twittert und der unscheinbare, blasse Junge mit dem Pickel auf der Stirn - Photoshop sei dank - im StudiVZ wie ein kantiger Superheld rüberkommt. Dass die Identität dahinter dann irgendwann immer mehr an Wert verliert und austauschbar wird, ist also eigentlich kein Wunder. Richtig ist es deswegen aber noch lange nicht.

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Bei Anruf - Frank!

Samstag, 12. September 2009 22:27

Sie hatte eine nette Telefonstimme, aber das war auch schon alles, was ich an ihr sympathisch fand. Ich nehme an, sie hat mir meine offene Abneigung nicht übel genommen. Schließlich spricht sie täglich mit zig Menschen, die, wenn sie die Wahl hätten, lieber nicht mit ihr gesprochen hätten. Im normalen Leben ist sie vermutlich Studentin, wenn sie anruft, ist sie allerdings die Angestellte eines Call-Centers und bekommt Provision für jeden neuen Kunden, den sie geworben hat.

Telefonmarketing ist nervig. Zumal sich modere Call-Center mittlerweile gerne mit Wählcomputern arbeiten, die vollautomatisch bis zu einhundert Nummern gleichzeitig anrufen. Wer als erstes abnimmt, wird dann mit dem nächsten gerade verfügbaren Call-Center-Agent verbunden. Predictiv Dialer heißen diese Automaten im Branchenslang. ”Es gibt Fälle, in denen Menschen bis zu 250 Mal am Tag angeklingelt werden”, so Rudolf Boll, der Sprecher der Bundesnetzagentur, erst kürzlich gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger.

Doch - woher haben die Call-Center eigentlich die Nummern? Oft sind es scheinbar harmlose Gewinnspielanbieter, die via AGB quasi nebenbei der Weitergabe von Anschrift, Email-Adresse und Telefonnummer zustimmen lassen. Manche Kontaktdaten werden auch schlicht eingekauft, wie dieser Selbsttest beweist (es ist manchmal wirklich unheimlich, auf welch verschlungenen Wegen die eigenen Daten durch die Welt wandern).

Manche Call-Center bedienen sich auch dem Zufallsprinzip: Ein Computer probiert zu einer vorgegebenen Vorwahl einfach so lange zufällig generierte Zahlenkombinationen, bis eine gültige Telefonnummer dabei rauskommt - so jedenfalls hat es mit die Mitarbeiterin eines Call-Centers erklärt, das vor allem für Meinungsforschungs-Institute aktiv ist.

Gegen den Zufall ist auch heute noch wenig Kraut gewachsen. Gegen Telefonnummern in Formularen schon: Frank.

Den hat vor etwa drei Jahren ein Lüneburger BWL-Student erfunden. Frank ist unter 0163-1737743 zu erreichen und tut eigentlich nichts weiter, als unliebsamen Anrufern mitzuteilen, dass man nicht mit ihnen sprechen möchte. Die praktische Nummer also nicht nur für Gewinnspiel-Formulare, sondern auch für alle anderen ungewollten Kontaktversuche. Funktioniert übrigens auch, wenn man gar nicht Frank heißt …

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